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Der Körper als Feind – Essstörungen bei Studenten

Bank am SeeIhr Name ist Sina, sie ist 22 Jahre alt und studiert Jura an einer Universität. Sina hat braune, lange Haare und sieht aus, wie eine jungen Frau mit Normalgewicht eben aussieht. Doch Sina ist nicht wie die meisten anderen Studenten, denn sie leidet an einer Essstörung. Um genauer zu sagen, an Bulimie. Wenn andere Studenten nach dem Essen noch gemütlich in der Mensa zusammensitzen, schließt Sina sich auf der Toilette ein. Nach übermäßigem Essen zwingt sie sich täglich mehrere Male zu erbrechen. Um ihre Essstörung vor anderen zu verbergen, hat sie sich ein Konstrukt aus Lügen gebildet. Wenn den Kommilitonen auffällt, dass mit ihr etwas nicht in Ordnung ist, hält sie schon eine passende Antwort für jede aufkommende Frage bereit. Als Grund für das Erbrechen nennt sie z. B. eine Magenverstimmung oder sie vertrage zu fettiges Essen einfach nicht. Auf diese Weise besänftigt sie die Nachfragenden und zieht sich dann von ihnen zurück, um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen. Doch Sina ist nur ein Fall von Vielen. Immer mehr Studenten leiden nachweislich an Essstörungen. Diesen Störungen kommen nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern vor. Wobei Frauen öfter davon betroffen sind.

Die Gründe einer Essstörung

Die Gründe für Essstörungen sind vielfältig. Oft wird die Vermittlung eines falschen Schönheitsideals durch die Medien als Grund genannt. Junge Frauen wollen immer dünner sein. Ein dünner Körper wird in der heutigen Zeit mit Erfolg und Ansehen in Verbindung gebracht. Doch auch andere Faktoren begünstigen eine Essstörung, wie beispielsweise hoher Stress und Erwartungsdruck. Die Betroffenen sind oft sehr ehrgeizig und versuchen jede Situation unter Kontrolle zu haben. Für sie ist das Erbrechen dann wie ein Ventil, um den ganzen Druck und Ballast, der auf ihnen liegt, abzulassen.

Verschiedene Formen der Essstörung

Bei einer Essstörung muss es sich nicht immer um Bulimie handeln. Ebenso können Studenten von Magersucht oder der Binge-Eating-Störung betroffen sein. Unter Bing-Eating versteht man eine regelmäßige Überernährung durch Essanfälle. Der Unterschied zu Bulimie ist, dass diese Personen sich nicht übergeben. Die Folge der Binge-Eating-Störung ist starkes Übergewicht. Bei Magersüchtigen ist das ganz anders. Sie halten strenge Diäten und versuchen mit allen Mitteln, nicht an Gewicht zuzunehmen. Ein Anzeichen für Magersucht ist der starke Gewichtsverlust. Die verzerrte Wahrnehmung ihres eigenen Körpers lässt die Betroffenen nie schlank genug sein und so hungern sie weiter. Eine eher unbekannte Essstörung ist die Orthorexie. Hier versuchen sich die Betroffenen zwanghaft gesund zu ernähren. Eingekauft wird nur dort, wo nachgewiesen Bioprodukte aus ökologischem Anbau verkauft werden. Orthorexie ist meistens der Einstieg in eine andere Essstörung.

Auch Männer sind betroffen

Zunehmend ist auch das männliche Geschlecht von Essstörungen betroffen. Bei Männern sieht eine Essstörung oft etwas anders aus als bei Frauen. Männer haben meist einen intensiven Wunsch nach einem perfekten Körper, mit Muskeln und einem Waschbrettbauch. Dieser Wunsch wird auch Adonis-Komplex genannt. Um ihr Ziel zu erreichen, treiben sie extrem viel Sport oder hungern. Um den Prozess des Muskelaufbaus zu beschleunigen, greift der Ein oder Andere auch zu Steroiden oder Entwässerungstabletten.

Ist ein Student erkrankt, so kann sich dieser an die psychosozialen Beratungsstellen der Hochschule wenden. Essstörungen sind psychosomatische Störungen, deren Ursachen sehr komplex sein können. Ursachen können z. B. steigender Leistungsdruck gegenüber sich selbst als auch gegenüber den Eltern sein. Aber auch ein ungelöster Konflikt aus der Kindheit oder der Konkurrenzkampf unter den Studenten kann Essstörungen hervorrufen. Meist ist es jedoch eine Kombination aus verschiedenen Faktoren, die einen psychologischen, familiären oder sozialen Hintergrund haben.

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