Gefühlschaos beim Übergang von Schule zu Studium

Von „Hotel Mama“ in die Selbstständigkeit

Hotel_MamaSechs Uhr morgens klingelt der Wecker und nach mehrmaligem Betätigen der Schlummer-Taste macht man sich langsam und noch halb im Schlaf auf den Weg in die Schule. Man sieht seine Freunde, tauscht Neuigkeiten aus und hört, manchmal jedenfalls, zu, was einem der Lehrer zu sagen hat. Danach geht es wieder zurück nach Hause. Vielleicht steht sogar schon das Lieblingsessen auf dem Tisch und wartet nur darauf, verspeist zu werden. Halbherzig löst man an die Hausaufgaben, es wird vielleicht zweimal in die Schulbücher geschaut und dann heißt es: Freizeit.

So oder ähnlich sieht der Tagesablauf eines Schülers aus. Trotzdem wird gemeckert und geklagt. Einige können es gar nicht erwarten, endlich die Schulzeit hinter sich zu lassen und ein unbeschwertes Leben zu führen. Ohne Eltern und ohne Regeln. Soweit die Theorie. Diese Einstellung ändert sich bei vielen schlagartig im letzten Schuljahr. Die Abschlussprüfungen stehen bevor. Man bekommt Panik, denn das Ende der Schulzeit ist in greifbarer Nähe und man hat immer noch keine Ahnung, wie es danach weiter geht. Schulkameraden, die ihre Berufsausbildung vielleicht schon in der Tasche haben, lassen das schlechte Gewissen immer größer werden. Hinzu kommt die ständige Fragerei von Eltern und Großeltern: Was willst du denn überhaupt nach der Schule machen? Ausbildung oder Studium? Laufen da die Bewerbungsfristen nicht bald ab? In welche Stadt möchtest du denn? – Ich weiß es noch nicht genau. Ist der sowohl meist verwendete als auch meist verhasste Satz.

Die stressige Bewerbungsphase

Sind die Prüfungen geschafft heißt es nicht etwa: jetzt erst einmal ausruhen. Dann beginnt der Stress erst richtig – die Bewerbungsphase. Für eine Berufsausbildung ist es dann meistens schon zu spät, denn dafür hätte man sich ja schon im vergangenen Herbst bewerben müssen. Aber damals war das ja alles noch viel zu weit weg. Also bleibt den angehenden Abiturienten nichts anderes übrig, als sich für ein Hochschulstudium einzuschreiben. Doch die Auswahl ist groß, zu groß. Bei über 400 Hochschulen und Tausenden Studiengängen fällt die Entscheidung schwer. Hat man dann endlich ein passendes Studienfach gefunden, baut sich eine neue Hürde auf. Die Zulassungsbeschränkungen sind aufgrund der G 8-Jahrgänge für viele Studiengänge unerreichbar hoch. Also heißt es: Bangen und Hoffen, dass man irgendwo angenommen wird. Hauptsache die Studieninhalte passen einigermaßen. Ein zu hoher Numerus Clausus und Nachlässigkeit in der Bewerbungsphase führen häufig dazu, dass viele Abiturienten nur an einer Hochschule zugelassen werden, die in der Liste ihrer Präferenzen eher hinten angesiedelt war.

Der Start in ein selbstständiges Leben

Von einem Tag auf den anderen ist man völlig auf sich allein gestellt. Die Mutter weckt einen nicht mehr, wenn man den Wecker einmal nicht hört und das Lieblingsessen steht nur auf dem Tisch, wenn man selbst den Kochlöffel schwingt. BAföG- Antrag, Prüfungsanmeldungen, Mietvertrag, Versicherungen – das Leben scheint nur noch aus Papierkram zu bestehen. Bei vielen liegen zwischen dem neuen Wohnort und der Heimat mehrere hundert Kilometer, was es unmöglich macht, jedes Wochenende nach Hause zu fahren. Man wird herausgerissen aus seinem gewohnten Umfeld und die alten Schulfreunde sind überall in Deutschland verteilt. Die angehenden Studenten starten unter hohen psychischen Belastungen ins erste Semester. Findet man nicht sofort Anschluss, werden die ersten Wochen oder auch Monate für viele zur Tortur. Hinzu kommen der Leistungsdruck und die Prüfungsangst. Auch unter den Studieninhalten hatte man sich etwas anderes vorgestellt. Denn durch den Stress während der Bewerbungsphase und die hohen Zulassungsbeschränkungen, hatte man ja sowieso von vornherein nicht sein präferiertes Studium an der Wunschhochschule. Die Motivation sinkt immer weiter.

Schwere Entscheidungen

Dies sind unter anderem Gründe dafür, dass laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems die Studienabbruchquote an Universitäten über alle Fächergruppen bei ca. 35 Prozent und an Fachhochschulen bei ca. 19 Prozent liegt. Und das bereits nach durchschnittlich 2,9 Semestern in den Bachelor-Studiengängen. Vor einem Abbruch sollte jedoch genau überlegt werden, ob man die richtige Entscheidung trifft. Zuerst sollte man sich selbst fragen, ob das Problem allein im Studium liegt und ob man es eventuell auf andere Weise lösen kann. Auch Fragen wie: Studiere ich das, was ich will? Gibt es ggf. Alternativen? Oder: War es die Mühe wert, jetzt alles hinzuschmeißen? Können bei der Entscheidungsfindung helfen. Denn hat man erst einmal die ersten beiden Semester hinter sich und ein neues soziales Umfeld aufgebaut, sieht es bei vielen schon ganz anders aus. Fakt ist, dass die Inhalte eines Studiums in den seltensten Fällen zu einhundert Prozent den Wunschvorstellungen der Studierenden entsprechen. Es wird immer Vorlesungen oder Module geben, die einem weniger zusagen. Egal ob im Abiturstress oder im Studium – für einen Ausgleich, um den Stress zu kompensieren, sollte immer Zeit sein. Joggen, Radfahren, ein Instrument spielen oder ein Kaffee mit Freunden – erlaubt ist alles, wobei man den Kopf frei bekommt.

Unter https://www.studentengesundheit.de/seelische-gesundheit1/entspannung-erholung.html findet ihr Informationen zum gesunden Schlafen und Entspannungsübungen, die besonders dabei helfen, abzuschalten und sich zu regenerieren. Um den Lernstress im Prüfungszeitraum erfolgreich zu überstehen, findet ihr hier Tipps zur richtigen Organisation und zur Lernumgebung.