Trennung: Der erste Schritt ins neue Leben

TrennungEs gibt vielfältige Situationen in der eine Trennung stattfindet, klassisch, die Beendigung einer Beziehung zwischen Paaren. Studenten kommen oft in eine Trennungssituation, wenn sie ihr Elternhaus verlassen, um in einer anderen Stadt zu studieren. Sie werden von ihrem gewohnten Umfeld, vor allem von den Eltern und Freunden getrennt. Diese Situation kann unterschiedlichste Gefühle auslösen. Denn bei einer Trennung geht es immer um den Verlust eines oder mehrerer Menschen, die für das Wohlbefinden einer Person wichtig waren. Die Trennung kann sowohl dauerhaft als auch vorübergehend sein.

Kommt es also zu einer Trennung entsteht zuerst Verunsicherung, da die Verbindung wegfällt, die Geborgenheit und Liebe liefert. Geht beispielsweise eine Beziehung in die Brüche, ist das oft mit Enttäuschung verbunden. Im Fall von Studenten kommt es überwiegend zu Ängsten z. B. ohne Eltern, Alltagssituationen nicht bewältigen zu können oder sich alleine in einer neuen Stadt nicht zurecht zu finden. Auch die Angst von den neuen Kommilitonen ausgegrenzt und nicht angenommen zu werden, spielt eine große Rolle.

Da eine Trennung in jeglicher Art eine emotional sehr herausfordernde Zeit ist, kommt es nicht selten zu psychischen Erkrankungen. Diese können reaktive Depressionen oder Angststörungen und auch im Extremfall Suizide sein. Gerade in den ersten Wochen und Monaten besteht ein großes Risiko in eine Depression zu verfallen. Sinnfragen, aber auch die Tendenz zur sozialen Isolation und Resignation beschäftigen die Person. Anzeichen für psychische Erkrankungen können starke Antriebsminderung, Freudlosigkeit, gedrückte Stimmung, sozialer Rückzug oder Selbstzweifel sein. Neben diesen Symptomen können auch somatische Reaktionen wie Schlafstörungen, Morgentief oder Appetitlosigkeit auftreten. Treten diese Symptome in einem Maße auf, die die Person so in ihrer Alltagsfähigkeit einschränken, ist es ratsam, sich möglichst frühzeitig professionelle Hilfe zu holen. Oftmals helfen Gespräche mit einem Gegenüber, die eigene Situation neu zu sortieren und wieder eine gewisse Orientierung und Struktur für den Alltag zu finden. Sollte dies nicht ausreichen, kann ein Arzt oder Therapeut weitere Maßnahmen einleiten. Bei mittelgradig bis schweren Depressionen, ist eine Behandlung in einer psychosomatischen Klinik zu empfehlen. Um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, in eine psychische Erkrankung zu rutschen, braucht man möglichst viel Stabilität in allen Bereichen des Lebens. Nach Hilarion G. Petzolds Konzept aus der integrativen Therapie, „Die 5 Säulen der Identität“ (1993), zeigt sich die Stabilität in der Identität der Person.

IdentitätsmodellNach Petzolds Konzept setzt sich die Identität einer Person aus fünf Säulen zusammen, die die Einzigartigkeit der Persönlichkeitsstruktur einer Person beschreiben. Die fünf Säulen sind mit den Begriffen Leiblichkeit, soziales Netzwerk, Arbeit und Leistung, materielle Sicherheit und Werte benannt. Ist die Stabilität in allen Bereichen ausreichend, kann sich die Person vollkommen mit sich selbst identifizieren. So kann z. B. eine Person mit stabiler, zufriedener Arbeitssituation, einem guten Freundeskreis, finanzieller und materieller Sicherheit eine Trennung möglicherweise anders verarbeiten als jemand, der zusätzlich Konflikte am Arbeitsplatz hat, kaum Freundschaften pflegt und finanziell abhängig vom Anderen war.